Verena Tobler Linder

Soziologin und Ethnologin, Zürich

Ja, ich unterstütze dieses Anliegen gern, weil die USA und ihre Bündnispartner sich einmal mehr nicht an ihre eigenen Regeln halten. Für ein einigermassen adäquates Urteil zu Nine-Eleven fehlen derzeit die  Rechtsgrundlagen: der Tatbestand wurde nie sorgfältig untersucht und geklärt, die nötigen Beweise fehlen, es gab nie ein ordentliches Gerichtsverfahren. So wird  die «Rechtsstaatlichkeit» von den Westmächten selbst laufend untergraben.

Doch die ungeklärte Schuldfrage ist nur das eine Problem, wenn auch ein wichtiges! Das andere gewichtige Problem sind die verheerenden Konsequenzen, die aus dem eigenen Vor-Urteil gezogen wurden. Globale Militarisierung und Überwachung sind der sichtbarere  Aspekt dieser Verheerung.

Der weniger sichtbare: Der Westen ist völlig strukturblind und hält die arme Welt in einem Double-Bind gefangen, der den sogenannten Terrorismus geradezu fördert. Denn Gesellschaften, in denen die Bevölkerungsmehrheit bis heute ausserhalb der Kapitalzirkulation lebt oder  im Verlauf der Ausbreitung der kapitalistischen Weltwirtschaft pauperisiert und marginalisiert wurde, sind gar nicht in der Lage, unsere wohlfahrtsstaatlichen Demokratie- und Menschenrechtsstandards zu erfüllen.

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