Ruth Hamm Sagna

a. Grossrätin Kanton Bern, pens. päd. Leiterin eines öffentlichen Schulprojekts

Nach dem 11. September 2001 wurde uns schnell klar gemacht, wer die Guten und wer die Bösen sind. Verschwörungsphantast wurde geschimpft, wer zu zweifeln wagte. In den USA und in Europa schürte man die Angst vor Fremden, es wurde aufgehetzt und verleumdet. Das Resultat kennen wir: Die Islamophobie hat beängstigende Formen angenommen, nicht nur in den USA, auch hier bei uns. Minarett- und Ausschaffungsinitiative zeugen davon.

Die Bush-Administration nutzte den 11. September in Windeseile – für repressive Massnahmen gegen das eigene Volk (Patriot Act), für höhere Rüstungsausgaben und vieles mehr. Der willkommenste «Ertrag» der 9/11-Katastrophe für Bush, Cheney und Co. war aber natürlich die Legitimation, die lange vorbereiteten Kriege im Irak und in Afghanistan endlich beginnen zu können. Endlich durfte man, im Kampf gegen das Böse und unter der Maske der «Demokratieverbreitung», in den Krieg um die verbleibenden Energieressourcen ziehen.

Barack Obama hat nun mit dem Abzug der amerikanischen Truppen begonnen. Das macht zwar die unzähligen zivilen Opfer der Kriege nicht wieder lebendig. Es weckt aber die Hoffnung, dass bald ernsthaft über die Kriegsgründe der Bush-Administration gesprochen wird – und damit vielleicht auch über den 11. September 2001.

Ich unterstütze das Begehren nach einer neuen 911-Untersuchung. Wer weiss, wie widerwillig George W. Bush die damalige Kommission einsetzte, wie parteiisch diese Kommission besetzt war und wie lückenhaft und falsch der Untersuchungsbericht ausgefallen ist, darf sich mit den diversen Ungereimtheiten der offiziellen Darstellung nicht abfinden. Eine neue, unabhängige Kommission ist nötig, auch aus Respekt gegenüber den Angehörigen der Opfer.

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