Charlotte Heer Grau

Journalistin BR, Zürich

Charlotte Heer GrauLieber heute, als morgen, liebe JournalistInnen

Über kurz oder lang wird es eine unabhängige Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001 geben. Wann das sein wird, ob in einem Jahr, in 10 oder 50 Jahren, hängt einzig davon ab, wann kritische und arrivierte JournalistInnen damit beginnen, in den grossen Blättern die relevanten Fragen zu stellen und damit eine wirkliche Öffentlichkeit herstellen. Fragen, zudem, die nicht sofort wieder relativiert werden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Es sind nicht ein paar wenige Verschwörungstheoretiker, die eine unabhängige Untersuchung fordern, es sind Hunderttausende. Es sind nicht durchgeknallte Leute, nein, in den USA sind es nach wie vor unter vielen anderen auch Angehörige der Opfer, die Antworten auf ihre offenen Fragen einfordern. Des Weiteren sind es Spezialisten, Physiker, Ingenieure, Architekten, und Historiker – weltweit.

Fünf Jahre nach den Anschlägen reiste der von mir ansonsten sehr geschätzte Journalist Christoph Keller von Radio SRF (damals DRS) in die USA und sprach vor Ort mit Dutzenden von Menschen. Am 8. September 2006 wurde seine Sendung ausgestrahlt: «Verschwörungstheorien rund um 9/11» (Ich muss hier aus dem Gedächtnis erzählen, da die Sendung online nicht auffindbar ist). Ich verfolgte die Sendung gespannt. Sie war ausgewogen gestaltet. Da kamen Befürworter und Gegner so genannter Verschwörungstheorien zu Wort. Ich glaube mich sogar an Angehörige zu erinnern, die mehr Aufklärung forderten. Alles in allem ein wohldurchdachter, spannender Überblick. Am Schluss aber glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Am Schluss seiner Sendung – erzählt Journalist Keller – habe er nach all den Gesprächen auf dem Rasen in einem Park gelegen, es war wohl der Central Park, er habe zum Himmel hoch geblickt und sich gefragt, warum denn bloss so viele Menschen so gerne an Verschwörungstheorien glaubten. Dies sagt Keller, obwohl er selber mehrmals auf unbefriedigende Antworten von offizieller Seite stiess. So lässt er seinen Beitrag enden.

Eine derartige Ignoranz den Menschen gegenüber, die offene Fragen haben, macht wütend. Natürlich wurde auch sofort eine Sendung mit einem Psychologen nachgeliefert, der beantworten sollte, warum Menschen so sehr an Verschwörungstheorien hängen würden. Solange es offene Fragen gibt, lieben Journalisten und Journalistinnen, solange es dafür keine schlüssigen Antworten gibt, solange lassen Menschen nicht locker und wollen/ suchen Antworten. Wer sie deswegen bequem in die Ecke von Spinnern stellt, muss sich nicht wundern, wenn mehr und mehr Menschen sich von den Medien abwenden.

Die nach wie vor unbeantworteten Fragen:

  •  Der Einsturz des dritten Gebäudes WTC7, welches nicht angegriffen wurde?
  • Warum blieb die gesamte Luftwaffe über Stunden am Boden?
  • Wer steht hinter dem massiven Insider-Handel?

Und eine weitere, sehr menschliche Frage:

Für viele Menschen ist es offensichtlich einfacher, daran zu glauben, dass ein paar durchgeknallte, fanatische Araber diese Tat begangen haben. Selbstmordattentäter, das kennen wir. Warum fragen wir uns aber nicht, warum ausgerechnet diese Menschen nicht zu ihrer Tat stehen und erhobenen Hauptes in den Tod gehen? Warum es brutalste Folterungen brauchte, um sie zu einem «Geständnis» zu bringen? Warum?

Eine Verschwörung innerhalb der US-Regierung könne es bei einem so grossangelegten Anschlag nicht geben, meinen viele Kritiker. So viele Beteiligte könnten nicht dichthalten. Doch, theoretisch ist das menschenmöglich, auch im Westen. So viele Beteiligte können dicht halten. Wir wissen es spätestens seit Edward Snowden, dass Tausende von Menschen illegale Geheimdienstarbeit leisten. Und dass sie wissen, was sie tun. Und seit Snowden wissen wir auch, was ihnen blüht, wenn sie nicht dicht halten. Dabei geht es in diesem Fall «nur» darum, dass weltweit Menschen abgehört werden.

Zudem: Hunderte von Soldaten und Geheimdienstler haben Menschen auf brutalste Weise gefoltert. Es brauchte den Schweizer Dick Marty, der diesem Thema endlich zur ersten Öffentlichkeit verhalf. Im Oktober 2010 sagte er gegenüber der NZZ: «Wegen der Alarmmeldungen über die angeblich nicht bewiesenen Menschenrechtsverletzungen beim Vorgehen gegen den Terrorismus war ich anfangs oft wüsten Beschimpfungen und Häme ausgesetzt, aber später wurden die Details meiner CIA-Berichte bestätigt.»

Ich weiss nicht mehr, von wem das Zitat stammt, noch wie es genau lautet, aber dem Inhalt nach: Das Böse hat nur Platz, wenn die Guten wegschauen.

In diesem Sinne unterstütze ich die Forderung nach einer neuen, unabhängigen Untersuchung der Geschehnisse rund um 9/11.

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