Maja Beutler

Schriftstellerin

Es wirkte von Anfang an unglaubwürdig, dass die offizielle Version der Bush-Administration the truth and nothing but the truth wäre: 9/11 war ein  derart präzis ausgeführter Überraschungsangriff, wie man ihn bislang höchstens dem israelischen Geheimdienst Mossad oder der CIA zugetraut hätte. Nun also hatten Beinah-Kampfpiloten von Al-Kaida die gesamte USA Luftüberwachung ausgetrickst und waren just dieser CIA durch die Maschen gegangen. Oder waren entsprechende Warnungen unter den Tisch gewischt worden? Von wem in welcher Funktion? Wozu?

Politisch verwirrend scheint mir zudem, dass Bin Laden nicht einkalkuliert haben sollte, dass die USA mit einem massiven militärischen Gegenschlag reagieren würden.  Oder hatte er es auf Krieg abgesehen? Kam ein Feldzug seinen eigenen politischen Zielen entgegen? Welchen? Und wem nützten wirtschaftliche Sanktionen gegen Nationen, die Al Kaida schützten?

Sicher ist nur: Aus den Anschlägen von 9/11 ergaben sich Fakten, die der Bush-Administration militärisch und politisch nahezu freie Hand boten: Die Terror-Theorien waren nicht länger Theorien, sie waren in den USA Realität geworden, und innert Stunden stand fast die gesamte westliche Welt geschlossen hinter den Vereinigten Staaten und teilte deren Ansicht, das Laissez-faire den Islamisten gegenüber sei nicht länger zu verantworten. Damit waren die Prämissen geschaffen für die Eroberungsfeldzüge in Afghanistan und später im Irak.

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